Bremer WASG nominiert Spitzenkandidaten zur Bürgerschaftswahl.
Die Bremer Landesorganisation der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) hat am Wochenende ihren Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahlen am 13. Mai gekürt. Mit absoluter Mehrheit wurde dabei der Betriebsrat des Klinikums Links der Weser, Peter Erlanson, gewählt. Nachdem ursprünglich eine eigenständige WASG-Kandidatur in Konkurrenz zur Linkspartei im Gespräch war, hatte die WASG mit ihren rund 220 Mitgliedern in Bremen einer gemeinsamen Liste zugestimmt, wenn sie dort ausreichend repräsentiert würde. Sollte sich die Linkspartei an ihre Zusage halten, der WASG den ersten, dritten und fünften Listenplatz auf ihrer offenen Landesliste zu reservieren, wird Erlanson Spitzenkandidat der Linken zur Bürgerschaftswahl werden.
Überraschend war der zwar aus Bremen stammende, aber über die sachsen-anhaltinische Landesliste in den Bundestag gewählte Axel Troost in letzter Minute gegen Erlanson angetreten. Offenbar wollten die Bundesvorstände von WASG und Linkspartei lieber ihren eigenen Vertrauensmann, der selbst dem WASG-Bundesvorstand angehört, an der Spitze der Bremer Landesliste sehen, als den rebellischen Betriebsrat. So hatte sich Erlanson mit Blick auf die unrühmliche Rolle der Berliner Linkspartei gegen jegliche Regierungsbeteiligung und für »echte Opposition« ausgesprochen. Unter den Bremer WASG-Mitgliedern stieß die Kampfkandidatur Troosts auf Unverständnis. Ihm wurde nachgetragen, er sei in Bremen als Politkommissar des Bundesvorstandes aufgetreten und habe die Beschlüsse der eigenen Basis weitgehend ignoriert. Troost solle »endlich seinen Job in Berlin machen« und »uns hier aber in Ruhe lassen«, forderten mehrere Redner. Auf offene Ablehnung stieß Troosts Ankündigung, im Falle seiner Wahl in die Bürgerschaft sein Bundestagsmandat nicht aufzugeben. Mit nur noch 27 Prozent der Stimmen unterlag Troost klar gegen Erlanson. 14 dieser Stimmen kamen offenbar von einem Block kurdischer WASG-Mitglieder, die auf einen dritten Platz für einen kurdischen Kandidaten hofften und dafür ein Abkommen mit Vertrauenspersonen Troosts geschlossen hatten.
Als zweite Kandidatin gegen drei Mitbewerber nominierten die Bremer WASG-Mitglieder mit absoluter Mehrheit die parteilose Gewerkschafterin Monique Troedel. Die ehemalige Betriebsrätin der Bremer Tageszeitungen AG ist seit 35 Jahren in der Gewerkschaft aktiv und bekleidet verschiedene ehrenamtliche Positionen bei ver.di. Weitere WASG-Kandidaten sollen am Donnerstag gewählt werden.
Die Linkspartei begrüßte die Ergebnisse der WASG-Mitgliederversammlung in einer Presseerklärung und erklärte unverbindlich, Erlanson und Troedel würden am 13. Mai auf ihrer Mitgliederversammlung auf »attraktiven Listenplätzen« aufgestellt. »Wir werden erstmals eine echte Opposition im Parlament machen«, kündigte Erlanson an, der auf sieben Prozent der Wählerstimmen für die Offene Liste der Linkspartei hofft. Dabei hofft er vor allem auf bisherige Nichtwähler, Gewerkschafter und frustrierte Wähler von SPD und Grünen, um der Linken erstmals auch den Sprung in ein westdeutsches Landesparlament zu ermöglichen.
[Der vorstehende Beitrag, verfasst am 08. Januar 07, wurde in der Jungen Welt – leicht modifiziert – unter dem Namen Julius Kaiser am 09. Januar 07 veröffentlicht.]
Verwendung: http://www.jungewelt.de/2007/01-09/058.php
