Methadon oder Heroin? Bund-Länder-Kommission evaluiert Langzeitstudie

Am heutigen Montag findet in Hamburg das erste Treffen der Bund-Länder-Gruppe zur Bewertung der Ergebnisse der sogenannten Heroin-Studie statt. Unter Federführung des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) wurde drei Jahre lang in sieben Städten unter ärztlicher Aufsicht an etwa 500 Opiatabhängige Diamorphin (reines Heroin) abgegeben. Zu Vergleichszwecken wurden weitere 500 Patienten in den dafür geschaffenen Drogenambulanzen mit Methadon behandelt. So sollte beurteilt werden können, welche der Behandlungsmethoden für Schwerstabhängige, die für andere Hilfsangebote nicht mehr erreichbar sind, zu besseren Ergebnissen führt. Diese Ergebnisse sind nun vorhanden, und sie sprechen in fast allen Einzelheiten für die Fortführung einer kontrollierten Heroinbehandlung, die Gesundheit und Alltag der Schwerstabhängigen deutlich stabilisierte.

Doch für CDU-Politiker auf allen Ebenen ist das nichts weiter Teufelszeug. Zum Jahresende soll das Programm nun auslaufen. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe will heute nach Kompromissen suchen. Die aber dürften nur schwer zu finden sein, denn noch Ende letzter Woche betonte etwa Hamburgs CDU-Staatsrat Dietrich Wersich, daß es oberste Priorität staatlicher Drogenpolitik sein müsse, den Ausstieg aus der Drogensucht zu befördern. Hingegen würde sich der Staat bei unveränderter Fortführung des Programms selbst zum Drogendealer machen. Allenfalls könne es nun noch eine befristete Versorgung von Heroinpatienten geben, deutete Wersich die Grenzen eigener Kompromißbereitschaft an. Gleichzeitig fordert die CDU eine deutliche Senkung der Fallzahlen.

Demgegenüber drängt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Bätzing, schon seit Monaten auf eine Reform des Betäubungs- und Arzneimittelgesetzes. Erst dann könne die Heroinbehandlung als eine Regelversorgung für Schwerstsüchtige endlich durchgesetzt werden. Bundesweit gebe es immerhin fast 150000 Opiatabhängige. Doch mit ihrer Forderung, dieses Thema in der Koalitionsrunde zu behandeln, konnte sich Bätzing nicht durchsetzen.

Unterstützung erhält die SPD-Abgeordnete hingegen von Suchtforschern, die nun unisono befürchten, daß die Schließung der Ambulanzen ihren Patienten den Boden unter den Füßen regelrecht wegreißt. Alle so­zialen und gesundheitlichen Fortschritte würden auf einem Schlag zunichte gemacht. Zudem betonen sie, daß Methadon von vielen Patienten nur sehr schlecht vertragen wird, was dann zum Therapieabbruch führt. Drogenambulanzen gab es bisher in Hamburg, Bonn, Köln, Frankfurt am Main, Karlsruhe und München.

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