Ver.di erwartet, daß die Versicherungskonzerne trotz Milliardengewinnen in ganz Deutschland weitere 15000 Stellen streichen
Erst kürzlich hatte der Versicherungskonzern Allianz massive Stellenstreichungen angekündigt jetzt warnt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vor weiteren Massenentlassungen. Allein in Hamburg seien 2000 Arbeitsplätze in dieser Branche akut gefährdet, erklärte am Wochenende der stellvertretende ver.di-Vorsitzende der Hansestadt, Uwe Grund. In ganz Deutschland drohe der Verlust von 15 000 Stellen.
Die Talanx-Versicherung hatte vergangene Woche in Hamburg angekündigt, nach der Übernahme von Gerling werde nun die Aspecta-Lebensversicherung mit 420 Mitarbeitern geschlossen. Stellenabbau ist nach Angaben von ver.di auch bei AMB Generali (Volksfürsorge), im Zürich-Versicherungskonzern, beim Gesamtverband der Versicherer, bei der Basler Securitas, in der Ergo-Gruppe und im AXA-Versicherungskonzern geplant.
Grund sprach von einer »bedrohlichen Lage« für die rund 24000 Beschäftigten im Hamburger Versicherungsmarkt. Die Personalentscheidungen in den international tätigen Konzernen könnten allerdings weder politisch noch gewerkschaftlich beeinflußt werden. Diese Konzerne erwirtschafteten jetzt schon Milliardengewinne, die ihnen aber noch nicht ausreichten. Die »soziale Marktwirtschaft« sei ihnen egal.
Seit Jahren schon gehört es zur Strategie dieser Konzerne, schwächere Gesellschaften aufzukaufen. Die werden dann zerschlagen, nachdem ihre Dienstleistungen in das Stammunternehmen integriert wurden. Die Gewerkschaften reagieren auf diese Manöver eher hilflos. Statt wirkungsvolle Arbeitskämpfe vorzubereiten, will ver.di nun in Hamburg mit den Versicherungsunternehmen über die Bildung von »Transfergesellschaften« diskutieren die eigentlichen Entscheidungsprozesse seien ja nicht zu beeinflussen, heißt es.
Die Erfahrung zeigt jedoch, daß Entlassene in der Regel auch nach einem Jahr Weiterqualifizierung in einer dieser Transfergesellschaften keinen neuen Job bekommen. Die Versicherungsfirmen stellen, außer im Außendienst, schon seit Jahren niemanden mehr ein. Und auch im »benachbarten« Bankengewerbe sind eher Entlassungen statt Neueinstellungen angesagt.
http://www.jungewelt.de/2006/07-24/037.php
