Bundesbeauftragte kritisiert Widerstand gegen Heroinambulanzen
Wegen ihrer »Blockadehaltung bei der Hilfe für Heroinabhänge« hat die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) Politiker der Union scharf kritisiert. »Ideologische Gräben« gefährdeten die weitere Existenz von Heroinambulanzen, sagte Bätzing am Mittwoch nachmittag beim Besuch einer solchen Einrichtung in Hamburg. Bundesweit gibt es sieben dieser Ambulanzen, die bisher aus Mitteln des Bundes finanziert werden. Seit 2002 wird hier durch eine kontrollierte Abgabe von Heroin oder des Ersatzstoffes Dimorphin etwa 1000 Patienten wieder ein Leben jenseits von Elend und Kriminalität möglich gemacht.
Doch nun läuft das Projekt zum Jahresende aus, und Unionspolitiker auf allen Ebenen wollen über dessen Fortführung nicht einmal reden. Auch nicht in Hamburg, wo der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Hartmut Stienen, eine Ersatzfinanzierung aus Landesmitteln unter anderem deshalb kategorisch ausschloß, weil es viele offene Fragen zu diesem Pilotprojekt gebe. Auch der Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums, Thomas Spieker, hatte eine weitere Finanzierung der Ambulanz in Hannover ausgeschlossen. Ebenfalls in ihrer Existenz bedroht sind nun aber auch entsprechende Einrichtungen in Bonn, Köln, Frankfurt am Main, Karlsruhe und München.
Bätzing schlug eine Reform des Betäubungsmittel- und des Arzneimittelgesetzes vor, um eine Regelversorgung der Schwerstsüchtigen zu ermöglichen. Doch das ist für Unionspolitiker Teufelszeug. Bätzing warf ihnen vor, das Leben der Abhängigen zu gefährden. Das Thema müsse nun in der Koalitionsrunde behandelt werden.
Unterstützung für Bätzing kommt unterdessen vom Hamburger Suchtforscher Christian Haasen. Er befürchtet, daß durch die Schließung der Ambulanzen den Patienten regelrecht der Boden unter den Füßen weggerissen wird.
http://www.jungewelt.de/2006/06-23/026.php
