Ver.di protestiert am 8. Juni gegen »egozentrischen Spezialtarif« für die Ärzte

In Hamburg hat die Gewerkschaft ver.di das pflegerische und technische Personal in allen Krankenhäusern zu einem ganztägigen Warnstreik für den 8. Juni aufgerufen. Am Mittwoch begründete ver.di-Landeschef Wolfgang Rose diese Arbeitsniederlegung auch mit dem Protest gegen einen »egozentrischen Spezialtarif für die Ärzteschaft«, den der Hamburger Krankenhausarbeitgeberverband und der Marburger Bund ( MB ) letzte Woche ausgehandelt hatten. Damit werden nur für Mediziner die Arbeitszeiten neu geregelt und Eckwerte für eine neue Entgeltverordnung festgelegt. Doch während sich der MB damit in Hamburg bereits auf der Zielgeraden sieht, flatterte der ver.di-Verhandlungskommission nun am Dienstag ein Tarifangebot für die anderen Beschäftigten auf den Tisch, das Lohnkürzungen von mindestens 17 Prozent vorsieht.

Daß ver.di überhaupt Verhandlungen über einen Tarifabschluß führen muß, liegt daran, daß in Hamburg die Landeskrankenhäuser längst privatisiert wurden. Die neuen »Arbeitgeber« sind aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ausgestiegen. Die vor fünf Monaten begonnenen Verhandlungen erweisen sich aber inzwischen vor allem für die Unternehmer als Erfolg, die damit um hohe Streikkosten herumkamen.

Während dieser Verhandlungen hatten sich die Klinikeigentümer bei Ver.di einen Streikverzicht durch eine Beschäftigungsgarantie für 2006 erkauft. Erst am Dienstag legten sie ihren vollständigen Forderungskatalog vor. Demnach soll das pflegerische und technische Personal nun nicht nur eine Arbeitszeiterhöhung von 38,5 auf 40 Stunden hinnehmen, sondern auch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Ebenfalls sollen Sonn- und Feiertagszuschläge gekürzt werden, während gleichzeitig ein »flexibles Arbeitszeitmodell« eingeführt werden soll, das tägliche Beschäftigungen von bis zu zwölf Stunden ermöglicht. Schließlich fordern die Klinikbetreiber den Verzicht auf tarifliche Kündigungsschutzrechte.

Während man so für die Ärzte »verführerisch Geldscheine auf den roten Teppich« lege, wolle man den anderen »brutal das dünne PVC unter den Füßen« wegziehen, wofür auch der MB mitverantwortlich sei, sagte Rose. Doch bei der Ärztegewerkschaft prallen solche Vorwürfe ab. Hier verweist man auf die eigene kämpferische Interessenvertretung, während man ver.di vorwirft, sich in den Verhandlungen verheddert zu haben. Wie groß die Kampfkraft bei ver.di noch ist, wird sich nun erst am 8. Juni zeigen. Dann aber hat der MB seinen eigenen Abschluß für Hamburg längst unter Dach und Fach.

http://www.jungewelt.de/2006/06-01/043.php