Hamburg: Einigung auf gestaffelte Arbeitszeiten nach sozialen Kriterien
Im Tarifkampf im öffentlichen Dienst gibt es einen ersten Abschluß. In Hamburg einigten sich am Mittwoch nach zwei Streikwochen öffentliche Arbeitgeber und Gewerkschaften über eine Verlängerung der Arbeitszeit. Die Gespräche für die rund 200000 Beschäftigten in den baden-württembergischen Kommunen, wo der Streik vor vier Wochen begonnen hatte, wurden unterdessen in Stuttgart fortgesetzt. Insgesamt wurde am Mittwoch in neun Bundesländern gestreikt.
Die Hamburger Einigung sieht nach Gewerkschaftsangaben in den Entgeltgruppen 1 bis 9 eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden vor. Bezogen auf den Gesamtabschluß betrage die durchschnittliche Wochenarbeitszeit 38,8 Stunden. Auszubildende arbeiten 38,5 Wochenstunden. Der Abschluß differenziert nach Bezahlung und gewährt gewisse Bonuselemente für Eltern mit Kindern und ältere Mitarbeiter. Teilzeitbeschäftigte sollen keine Einkommensverluste haben.
In einer Urabstimmung, die ver.di unmittelbar nach der Einigung mit den Arbeitgebern einleitete, stimmten bei der Stadtentwässerung und der Stadtreinigung Hamburgs allerdings 58 Prozent der Befragten gegen die Annahme des Kompromisses. Für die Fortsetzung des Streiks wäre eine Dreiviertelmehrheit nötig gewesen. Die Streiks richten sich in erster Linie gegen die Absicht der Arbeitgeber, die Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden zu verlängern.
»Dieser Tarifabschluß ist kein Pilotabschluß für andere Kommunen oder andere Länder«, sagte ver.di-Landeschef Wolfgang Rose in Hamburg. Vor dem Verhandlungslokal in Stuttgart demonstrierten unterdessen rund 50 Gewerkschaftsmitglieder für die Beibehaltung der 38,5-Stunden-Woche. Ver.di-Landesvorsitzende Sybille Stamm sagte: »Wir streiken für die Sicherung von 10000 gefährdeten Arbeitsplätzen in Baden-Württemberg.» Die Arbeitgeber müßten ein verbessertes Angebot vorlegen.
Die geforderte wöchentliche Verlängerung der Arbeitszeit um 1,5 Stunden summiert sich auf das Jahr umgerechnet auf etwa zwei Wochen Mehrarbeit. Ver.di fürchtet, daß dadurch bundesweit 250000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten.
(ddp/jW)
http://www.jungewelt.de/2006/03-02/015.php
