{"id":970254,"date":"2006-01-18T11:07:18","date_gmt":"2006-01-18T11:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/andreas-gruenwald.de\/alte-webseite\/2006\/01\/18\/hamburg_legt_ein_kombilohn_modell_auf_ne970254\/"},"modified":"2006-01-18T11:07:18","modified_gmt":"2006-01-18T11:07:18","slug":"hamburg_legt_ein_kombilohn_modell_auf_ne970254","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreas-gruenwald.de\/alte-webseite\/2006\/01\/18\/hamburg_legt_ein_kombilohn_modell_auf_ne970254\/","title":{"rendered":"Hamburg legt ein Kombilohn-Modell auf \/\/ Neues Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein-Euro-Jobber sollen im ersten Arbeitsmarkt landen \/ Kritik von DGB und Sozialtr\u00e4gern<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Bundesregierung noch \u00fcber die Erprobung von Kombilohn-Modellen ber\u00e4t, macht der Hamburger Senat auf Landesebene Ernst.<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) stellte dieser Tage ein \u00bbHamburger Kombilohn-Modell\u00ab f\u00fcr Langzeitarbeitslose vor. Danach sollen Unternehmen 24 Monate lang einen Lohnkostenzuschuss von drei Euro je Arbeitsstunde erhalten, wenn sie Langzeitarbeitslose, die als Ein-Euro-Jobber t\u00e4tig sind, einstellen. Eine erste Erprobungsphase mit 1000 Kombi-Stellen will Uldall im April starten. Verl\u00e4uft diese gut, ist ein Ausbau des Programms vorgesehen.<br \/>\nIn Hamburg h\u00e4lt die Arbeitsmarktpolitik somit f\u00fcr Bezieher des Arbeitslosengeldes II (ALG II) k\u00fcnftig verschiedene Elemente so genannter \u00bbAktivf\u00f6rderung\u00ab bereit. Als Einstiegsma\u00dfnahme gelten weiterhin die Ein-Euro-Jobs. Um deren Anzahl von etwa 12 000 auf die H\u00e4lfte zu reduzieren, ist im Anschluss der \u00dcbergang in einen Kombilohn vorgesehen. Dazwischen liegt aber noch eine \u00bbProbephase\u00ab, in der die Jobber bis zu sechs Monate lang als Leiharbeitnehmer bei einer Dienstleistungsagentur besch\u00e4ftigt werden. Der dortige Bruttolohn l\u00e4ge \u0096 entsprechend dem Tarifvertrag \u0096 bei sieben Euro pro Stunde. Entliehen wird die Arbeitskraft an k\u00fcnftige Kombi-Lohn-Arbeitgeber, die so gen\u00fcgend Zeit bekommen, sich k\u00fcnftige Mitarbeiter anzusehen, \u00fcber deren Einstellung dann am Ende der Probephase zu entscheiden ist. Ganz umsonst ist f\u00fcr sie dieser Service jedoch nicht. F\u00fcr die geliehenen Arbeitnehmer m\u00fcssen sie bis sechs Euro pro Stunde (zuz\u00fcglich Mehrwertsteuer) an die Dienstleistungsagentur bezahlen. Weil das aber nicht mal die Lohnkosten deckt, muss der Staat auch diese Besch\u00e4ftigungszeit subventionieren.<\/p>\n<p>Erst nach dem Ende der Probephase erfolgt die Einstellung als Kombilohn-Arbeitnehmer f\u00fcr min-destens 3 und maximal 18 Monate. In den F\u00e4llen, wo eine Probephase als nicht notwendig erachtet wird, kann die Zeit 24 Monate betragen. Der Kombilohn soll Tarifvertr\u00e4gen oder orts\u00fcblichen Branchenl\u00f6hnen entsprechen. Das Unternehmen erh\u00e4lt einen Lohnkostenzuschuss von drei Euro pro Arbeitsstunde. Was am Ende dieser Zeit dann wird, bleibt indes unklar.<\/p>\n<p>Die Wirtschaftsbeh\u00f6rde will mit dem Modell \u00bbeinfache T\u00e4tigkeiten\u00ab im Niedriglohnbereich f\u00f6rdern. Deshalb sch\u00e4tzt sie ein, dass der Nettolohn des Kombilohn-Empf\u00e4ngers nur 200 Euro \u00fcber dem liegt, was ein Erwerbloser \u00fcber die Grundsicherung (ALG II plus Unterkunftskosten) beziehen kann. Da aber schon die Mehraufwandspauschale f\u00fcr Ein-Euro-Jobs bei 210 Euro im Monat liegt, will Uldall nun pr\u00fcfen lassen, ob sich dieser Betrag auf 120 Euro reduzieren l\u00e4sst. Erst dadurch entst\u00fcnde ein Anreiz f\u00fcr Ein-Euro-Jobber, in den Kombilohn zu wechseln.<\/p>\n<p>Mit dem neuen Programm erhofft sich der Senat h\u00f6here Erfolge bei der Integration von ALG-II-Beziehern in den ersten Arbeitsmarkt. Doch unabh\u00e4ngig davon, ob diese Rechnung aufgeht, bringt die Verlagerung arbeitsmarktpolitischer Ma\u00dfnahmen direkt in den ersten Arbeitsmarkt einen bedeutenden strategischen Effekt: Die Kosten der Grundsicherung k\u00f6nnen \u00fcber die Arbeitserl\u00f6se der Erwerbslosen selbst gesenkt werden. L\u00e4stige Probleme der \u00bbZus\u00e4tzlichkeit\u00ab und des \u00bb\u00f6ffentlichen Interesses\u00ab, wie sie bei Ein-Euro-Jobs beachtet werden m\u00fcssen, verlieren gleichzeitig an Bedeutung.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung f\u00fcr das neue Modell hat die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit signalisiert. Deren Hamburger Chef Rolf Steil begr\u00fc\u00dfte die \u00bbSchaffung von Anschlussperspektiven\u00ab f\u00fcr Ein-Euro-Jobber. Insgesamt zufrieden ist auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der hansest\u00e4dtischen Gr\u00fcnen, Gudrun K\u00f6ncke. Sie findet es jedoch misslich, dass \u00bbQualifizierungsmodule\u00ab nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt seien. Auf Ablehnung sto\u00dfen die Pl\u00e4ne dagegen bei DGB-Chef Erhard Pumm. Er bef\u00fcrchtet einen Missbrauch der Ma\u00dfnahmen und damit Arbeitsplatzverlust. Die sch\u00e4rfste Kritik \u00fcbte die \u00bbSozialpolitische Opposition\u00ab, ein B\u00fcndnis kleinerer Sozialtr\u00e4ger: F\u00fcr sie ist das Programm \u00bbstaatlich finanziertes Lohndumping\u00ab.<\/p>\n<p>http:\/\/www.nd-online.de\/artikel.asp?AID=84874&#038;IDC=2&#038;db=Archiv<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein-Euro-Jobber sollen im ersten Arbeitsmarkt landen \/ Kritik von DGB und Sozialtr\u00e4gern W\u00e4hrend die Bundesregierung noch \u00fcber die Erprobung von Kombilohn-Modellen ber\u00e4t, macht der Hamburger Senat auf Landesebene Ernst. Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) stellte dieser Tage ein \u00bbHamburger Kombilohn-Modell\u00ab f\u00fcr Langzeitarbeitslose vor. 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