05.09.2014
| Artikelreihe „Kapitalismus und Krieg“ | ||||||||||
| 1. Folge: | Was ist Imperialismus? | |||||||||
| 2. Folge: | Warum entstehen Kriege? | |||||||||
| 3. Folge: | Zur russischen Politik | |||||||||
| 4. Folge: | Der Hauptkriegstreiber Nr. 1: der US-Imperialismus | |||||||||
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In den Diskussionen der Friedensbewegung ist immer wieder vom Kapitalismus und vom Imperialismus die Rede. In Reden wird gefordert, dass vor allem die westlichen Großmächte ihren Kurs imperialistischer Großmachtpolitik aufgeben müssten. Nur dann sei eine Chance für dauerhaften Frieden gegeben.
Bei einer dieser Kundgebungen widersprach mir kürzlich jemand, als ich sagte, auch Russland sei ein kapitalistisches, auch ein imperialistisches Land, allerdings ein solches das sich in der Defensive befinde. Wie mir scheint gibt es nicht nur hinsichtlich der Begriffe großes Wirrwar. Doch nur, wenn wir solche Fragen diskutieren, können wir uns auch auf die Frage zubewegen, warum es eigentlich Kriege gibt und was heute die Ursachen dafür sind. Also abseits irgendwelcher ideologischer Begründungen.
Damit möchte ich heute beginnen.
1. Was ist Kapitalismus?
Moderner Kapitalismus, wie wir ihn kennen, ist auf der Basis kapitalistischen Eigentums an den Produktionsmitteln, vor allem durch eine umfassende Vergesellschaftung der Produktivkräfte, also durch Großindustrien, durch ein System planmäßiger Arbeitsteilung, auch durch eine Verwissenschaftlichung der Produktion sowie durch die Ausdehnung der Märkte zu einem Weltmarkt gekennzeichnet.
Das ist einerseits Ausdruck eines zivilisatorischen Fortschritts. Andererseits unter den gegebenen kapitalistischen Produktionsverhältnissen aber auch die Grundlage für katastrophale Entwicklungen: die in früheren Phasen des Kapitalismus noch dominante Tendenz der Modernisierung und Entwicklung der Produktivkräfte, wandelt sich zunehmend in ihr Gegenteil. In sich verschärfenden ökonomischen Krisen werden Produkte und Produktivkräfte massenhaft zerstört. Massenarbeitslosigkeit und Armut greifen immer mehr um sich. Die sich in diesem Zusammenhang verschärfenden imperialistischen Konflikte, bewirken eine Zunahme der Kriegsgefahr. In der Ukraine wird ein solcher Krieg bereits geführt.
Grundsätzlich, auch abseits der Moderne: Kapitalismus ist eine Gesellschaft, die auf einer kapitalistischen Produktionsweise basiert. Produktion vollzieht sich als Produktion von Waren, die in marktwirtschaftlichen Strukturen verkauft werden. Grundlage der Warenproduktion ist die Investition von Kapital. Diese vollzieht mit dem Ziel Profit zu erwirtschaften, wofür Lohnarbeiter beschäftigt werden. Diese Herrschaft des Kapitals wiederspiegelt sich auch in den sozialen, politischen, rechtlichen sowie kulturellen Gegebenheiten einer Gesellschaft.
Im Kapitalismus steht also nicht der Gebrauchswert eines Produkts im Vordergrund, sondern dessen Eigenschaft als Ware, die mit einem bestimmten Tauschwert verkauft wird. Damit beim Verkauf dieser Ware Profit entstehen kann, muss dieser Wert größer sein, als der Wert der in die Ware eingehenden Vorprodukte und Rohstoffe, einschließlich des Werte-Verschleiß eingesetzter Produktionsmittel und einschließlich des Lohns für den Lohnarbeiter, der damit seine Arbeitskraft reproduziert. Wäre der Wert der neu produzierten Ware geringer als die Summe dieser Werte, könnte kein Profit entstehen, sondern nur Verlust.
Wie kommt dieser Neuwert, dieser Mehrwert, den sich der Unternehmer als Profit einstreicht, eigentlich zustande?
Schon Aristoteles wusste, dass nicht das Geld, Junge zeugt, sondern nur die Arbeit. Ganz unmittelbar ist dies in der landwirtschaftlichen Urproduktion zu sehen: ein Landarbeiter verbraucht weniger Lebensmittel, als er selbst erzeugt. Im heutigen Kapitalismus ist das auf der oberflächlichen, sinnfälligen Ebene kaum zu sehen, da alles über Kauf und Verkauf realisiert wird. Ein Lohnarbeiter glaubt zum Beispiel, dass wenn er acht Stunden beschäftigt ist, er auch für acht Stunden einen Lohn erhält. So steht es ja meist auch im Arbeitsvertrag. Doch woher kommt dann der Profit? Und umgekehrt: Wenn der Lohnarbeiter tatsächlich acht Stunden seiner Arbeit bezahlt bekäme, er für die Reproduktion seiner eigenen Arbeitskraft aber nur einen Warenwert benötigt, den er auch in vier Stunden schafft, warum wird er dann nicht selbst zum Träger des Profits?
Man kann es drehen wie man will: der Lohn entspricht als gesellschaftlicher Durchschnittslohn für eine gesellschaftlich durchschnittliche Qualität der Arbeitsleistung genau dem, was die Arbeitskraft zur Reproduktion der eigenen Arbeitskraft benötigt. Dazu zählen Lebensmittel, Kleidung, die Wohnung, die Kosten der eigenen Ausbildung, auch die Kosten für Erholung und Freizeit. Wäre es im gesellschaftlichen Durchschnitt anders, wäre nicht zu erklären, warum sich der Lohnarbeiter weiterhin nur als Lohnarbeiter verkauft, denn er müsste dann schon in kürzester Zeit so viel Geld angehäuft haben, dass er selbst beginnen könnte ein Unternehmer zu sein.
Um der Wirkungsweise der kapitalistischen Produktionsweise auf die Spur zu kommen, müssen wir deshalb unterscheiden zwischen notwendiger Arbeit, die also erforderlich ist mit den Ergebnissen der Produktion die eigene Arbeitskraft zu reproduzieren und zusätzlicher Arbeit, die wir nicht bezahlt bekommen, da sich der hier erzielte Mehrwert nach dem Verkauf der Ware dann als Profit nur in der Tasche des Unternehmers wiederfindet.
Da bleibt er aber nicht sehr lang. Denn um im Konkurrenzkampf der Marktwirtschaft zu bestehen, muss der Unternehmer diesen Profit zum allergrößten Teil reinvestieren. Nur dann ist es ihm möglich die technische Ausstattung seines Unternehmens, also die Produktionsmittel dem neuesten technischen Stand anzupassen, womit zugleich eine Steigerung der Arbeitsproduktivität verbunden ist. Wer seine Buchhaltung immer noch mit dem Rechenschieber machten möchte, weil er dem erzielten Profit nicht reinvestiert, der wird dem Konkurrenten, der sich stattdessen eine moderne Software kauft, schnell unterlegen sein und vom Markt verschwinden. Steigt die Arbeitsproduktivität kann in der gleichen Zeit nunmehr die Anzahl der Produkte oder Dienstleistungen erhöht werden.
Damit verringert sich aber gleichzeitig jener Anteil unserer Arbeit der wirklich nötig ist, um unsere Arbeitskraft zu reproduzieren. Während andererseits der Teil der Arbeit zunimmt, mit dem wir einen Mehrwert produzieren. Man könnte also auch sagen, dass die Ausbeutung unserer Arbeitskraft ständig steigt.
Doch auch diesen nunmehr erhöhten Profit investiert der Unternehmer erneut in sein Unternehmen, damit sich der Produktionsprozess weiter ausdehnt. Lassen wir den Kredit außen vor, so ist diese Steigerung im Produktionsvolumen aber begrenzt. Sie ist begrenzt durch die Masse des Profits, den der Unternehmer bereits erzielt hat. Wenn der Unternehmer, anstatt seine eigenen Produktionsanlagen zu erweitern bzw. zu modernisieren, sich bestehende fremde Kapitale, in bislang konkurrierenden Bereichen, samt der dort vorhandenen Produktionsanlagen und Arbeitskräfte, kauft und einverleibt, sie also unter die eigenes Kommandogewalt bringt, ist diese Grenze indes gesprengt. Denn durch die Konzentration und Zentralisation der in einer Gesellschaft vorhandenen Produktion, ist eine planmäßigere und möglichst effektivere Arbeitsteilung in größeren gesellschaftlichen Dimensionen besser realisierbar. Und auch das führt wiederum dazu, dass mehr Mehrwert produziert werden kann.
2. Monopolkapitalismus und Finanzkapitalismus
Die ursprüngliche Funktion von Geld, ist die eines Äquivalents. Es sollen nicht Handys gegen Brot, sondern Handys gegen Geld und das Geld gegen Brot getauscht werden. Das erleichtert und beschleunigt die Zirkulation.
Die grundlegende und ursprüngliche Funktion einer Bank besteht in der Zahlungsvermittlung. Die Banken verwandeln brachliegendes Geld in Kapital, indem sie dieses Geld an einen Unternehmer verleihen, damit dieser es in seinem Unternehmen investiert. Banken sammeln aber nicht nur brachliegendes Geld, das aus Profiten stammt, und noch nicht investiert wurde, sondern auch das Geld der vom Lohn abhängigen Arbeitskräfte, sofern diese dieses Geld noch nicht unmittelbar zur Reproduktion ihrer Arbeitskraft nutzten. Sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie Unternehmern als geliehenes Geld zur Verfügung. Allein dadurch wird eine weitere Grenze für Investitionen, und damit für die Steigerung des Produktionsvolumens gesprengt. Die Akkumulation von Kapital verdichtet sich. In der Erwartung eines künftigen Profits, kann der Unternehmer nun noch mehr Kapital investieren.
Wie hoch ist der Zins, den die Bank für diese Dienstleistung erhält?
Um dieser Frage auf die Spur zu kommen, abstrahieren wir von den heute üblichen Spekulationsgeschäften. Unter dieser Voraussetzung kann der Zins den die Bank für das verliehene Geld erhält auf keinen Fall höher sein als der Mehrwert und damit der Profit den der Unternehmer mit diesem neuen Kapital erwirtschaftet. Denn kein Unternehmer wird sich Geld zu einem Zinssatz leihen, dem er im Anschluss nicht bedienen kann. Ähnlich ist es mit der Dividende eines Aktionärs. Allerdings: der Druck den Profit im produktiven Bereich zu steigern, zum Beispiel durch Kürzung der Löhne oder durch Ausdehnung der Arbeitszeit, steigt nun schon fast ins Unermessliche. Denn mag der einzelne Unternehmer noch so etwas wie ein soziales Gewissen aufweisen, so fehlt dem Bankmanager dies völlig. Dem eigentlichen Produktionsprozess entfremdet, geht es hier noch um Profitmaximierung.
Konzentration der Produktion bis hin zu Monopolen, das Verschmelzen und Verwachsen dieser Monopole aus dem industriellen Bereich mit den Banken als Kreditgeber, die sich ebenfalls zentralisieren und konzentrieren, das ist die Entstehungsgeschichte des modernen Kapitalismus und des modernen Finanzkapitals und zugleich auch der Inhalt dieses Begriffs.
In dem Maße, wie sich die Banken zu Großbanken konzentrieren, werden sie aus bescheidenen Vermittlern von Krediten damit aber selbst zu Monopolen, die schließlich über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und auch aller kleinen und mittleren Unternehmer verfügen. Nun freilich wandelt sich ihre Beziehung zum produzierenden Bereich. Denn durch die fortschreitende Konzentration der Banken, engt sich der Kreis doch bedeutend ein, wo ein Produzent große Kredite noch erhalten kann. Die Banken erweitern ihre Geschäftstätigkeit. Sie verleihen nun nicht mehr nur Geld, sie legen es auch selber an.
So entsteht Finanzkapital, das den Prozess der Kapitalkonzentration bis hin zu Monopolen weiter stärkt. Im modernen Kapitalismus ist die Monopolisierung des Finanzkapitals und die damit einhergehende ökonomische und politische Macht bereits so gewaltig, dass sich die strukturellen Differenzen des gesellschaftlichen Gesamtkapitals so entwickelt haben, dass diese Gruppe von Kapitalen eine systematische Dominanz über den gesamten Reproduktionsprozess entwickeln können, und damit eigentlich auch für den Rest, also für die Masse der nichtmonopolistischen Kapitale. Sie beherrschen direkt oder indirekt auch die Rohstoffmärkte, die Handelsketten und vieles andere mehr.
Dieses Finanzkapital und die sich damit herausbildende Finanzoligarchie hat schließlich eine so große Macht, dass es die unterschiedlichsten Funktionen im gesamten Reproduktions- und Verwertungsprozess des gesamtgesellschaftlichen Kapitals effizient steuern kann. Nicht nur über das Kreditwesen, sondern auch durch Beteiligungen in den Industrieunternehmen, die bereits Anfang des 20. Jahrhunderts so groß waren, dass schon seit dieser Zeit das Finanzkapital nun zum eigentlichen Motor der weiteren ökonomischen Entwicklung in den hoch entwickelten kapitalistischen Ländern geworden ist.
3. Ökonomische Krisen
Kapitalistische Entwicklung ökonomisch, politisch, gesellschaftlich ist ein ständiger Prozess möglichst optimaler Kapitalverwertung, der aber trotzdem immer wieder an Grenzen stößt. Das zeigt sich vor allem in den zyklisch auftretenden Wirtschaftskrisen.
In diesen ist ein Zustand erreicht, in dem mehr Waren produziert worden sind, als nunmehr verkauft werden können. Wenn beispielsweise genug Nahrungsmittel vorhanden sind, aber kein Geld unter den Hungernden vorhanden ist, um diese zu kaufen, dann ist genau dies eine gute Kennzeichnung für das Wesen einer kapitalistischen Wirtschaftskrise. Einerseits strebt das Kapital danach, möglichst viele Waren zu produzieren und zu verkaufen, um einen möglichst hohen Profit zu erzielen. Andererseits strebt es aus gleichen Gründen aber auch danach, den Preis der Arbeitskräfte, also ihren Lohn, nicht zu erhöhen oder sogar zu drücken. Wer soll die produzierten Güter dann aber kaufen? Die mangelnde Kaufkraft betrifft nicht nur Waren für die unmittelbaren Konsumenten, sondern wirkt in weitere Wirtschaftsbereiche fort. So werden beispielsweise keine neuen Aufträge zwischen Unternehmen mehr erteilt oder alte storniert. Die Lager bleiben voll, die Produktion steht still, Entlassungen finden statt, welche die Gesamtkaufkraft weiter reduzieren. Ein Teufelskreis, der erst durch eine Erweiterung des Marktes, also die Gewinnung neuer Absatzgebiete, oder aber durch die massenhafte Zerstörung vorhandener Produkte und gesellschaftlicher Produktivkräfte bereinigt werden kann.
Aber fassen wir das noch etwas genauer. Die kapitalistische Produktionsweise möchte Mehrwert in Profit wandeln und diesen wiederum in Kapital. Also in Produktionsmittel und Rohstoffe, wie auch in Geldkapital, das für den Kauf von Arbeitskräften bereit steht. Denn ohne Arbeit entstehen weder Mehrwert noch Profit. Um den Produktionsumfang zu steigern, muss sich die Arbeitsproduktivität erhöhen, was aber auch heißt, dass immer mehr Kapital in die Produktionsmittel, also in bessere Maschinen etc. gesteckt werden muss. So steigert sich zwar die Masse des Profits, aber die Profitrate, also das Verhältnis zwischen erzielten Profit und insgesamt eingesetztem Kapital wird tendenziell kleiner. Denn immer mehr Kapital wird nunmehr in die Produktionsmittel gesteckt, während der Anteil des Kapitals, der sich auf den Kauf von Arbeitskraft bezieht, eher sinkt.
Das verlangsamt aber nun die weitere Kapitalakkumulation, weshalb sich eine sinkende Nachfrage nach Produktionsmitteln und Arbeitskräften ergibt. Der Ausweg besteht in der Vernichtung von Kapital. Entweder durch die physische Zerstörung von Produktionsmitteln und Warenvorräten oder durch die Stilllegung von Fabriken und die Entsorgung unverkäuflicher Güter.
Diese Entwicklung des Verwertungsspielraums des gesellschaftlichen Gesamtkapitals ist nicht vom Willen und der Position einzelner Unternehmen, sondern vom Profitzwang und dem damit zusammenhängenden Zwang immer mehr Kapital zu akkumulieren, bestimmt. Demgegenüber ist aber die relative Verwertungsposition einzelner Kapitale nicht nur durch die gesamtkapitalistischen Verwertungsspielräume, sondern auch durch die relative Konkurrenzposition eines Einzelkapitals innerhalb des gesellschaftlichen Gesamtkapitals geprägt.
Diese Konkurrenzposition konkretisiert sich in der Macht des jeweiligen Einzelkapitals Geld vielleicht günstiger zu beschaffen, um es für die Reproduktion von Arbeitskräften und Produktionsmitteln einzusetzen; auch in der Art und Weise der Produktion und in der Vermarktung produzierter Waren.
Zentralisierte Kapitale, die mit dem Bankkapital verflochten sind, haben eine überdurchschnittlich große und intensive Zugriffs- und Gestaltungsmöglichkeit. Die Nutzung dieses relativen Vorteils bringt ihnen nicht nur absolut, sondern auch relativ höheren Profit, als wie er in anderen Unternehmen erzielt werden kann, die somit nur einen unterdurchschnittlichen Profit realisieren.
Zusätzlich zum durchschnittlich gegebenen Profit ergibt sich ein Extra-Monopolprofit. Die Monopolisierung des Kapitals vor allem im Finanzkapital ist damit aber nicht mehr nur ein quantitativer Maßstab für die Höhe des Profits, nein sie wird nun zur qualitativen Potenz, um sich Profit anzueignen. Das scheint der Grund zu sein, weshalb in Krisenzeiten, wenn also eher eine gesamtgesellschaftliche Kapitalvernichtung angesagt ist, in Monopolen und in dem vom Finanzkapital beherrschten Sektoren immer noch relativ hohe Profitraten realisiert werden können. Und erneut ergibt sich auch aus diesem Umstand ein weiterer Schub für die Monopolisierung der Macht des Finanzkapitals.
Nie war die Macht des Finanzkapitals, seine ökonomische, wie seine politische, größer als heute. Eng verflochten mit international agierenden Konzernen, wird Kapitalexport zum Erfolgsschlager. Diese Konzerne, wenn sie auch ihren Sitz in einem bestimmten Land haben, haben ihre Tätigkeit über viele Länder erstreckt. Ihr Einfluss ist enorm. Nicht nur in der Politik. Sie beherrschen auch die breite Schicht nicht monopolisierter Unternehmer, die sich zu ihnen in einem Abhängigkeitsverhältnis bewegen. Sie saugen alles aus.
4. Imperialismus / Warum die Kriegsgefahr steigt.
Und damit sind wir beim Imperialismus. Die großen kapitalistischen Länder haben heute die ganze Welt unter sich aufgeteilt. Nicht mehr in Kolonien, aber in Einflusssphären. Über das Finanz- und Monopolkapital stoßen sie aber auch in fremde Einflusssphären vor. Wurden früher vor allem Waren exportiert, wird nun Kapital exportiert: für direkte Investitionen, vor allem aber auch für die Bedienung von Anleihen. Länder mit einer geringeren Wirtschaftskraft geraten so in eine Abhängigkeit zum Finanzkapital aus den höher entwickelten kapitalistischen Ländern. Können diese ihre Schulden nicht mehr tilgen, springt dem Finanzkapital die Politik zur Seite. Sie erlässt dann strenge Auflagen, deren Kern aber immer nur darin besteht Löhne und soziale Standards weiter zu drücken, um die Ausbeutungsbedingungen zu verbessern. Hier tritt ein staatsmonopolistisches Regulierungsinstrument deutlich hervor. Aber nicht um diesen Ländern zu helfen, sondern um die Banken und um das Finanzkapital zu bedienen.
Diese imperialistische Eroberung neuer Einflusssphären, ob nun für den Kapitalexport oder für den Absatz eigener Produkte, vollzieht sich nicht, weil unsere Politiker oder weil die Monopolmanager des Finanzkapitals böse sind, auch nicht aus ideologisch vorgeschobenen Gründen. Sie vollzieht sich, weil die erreichte Stufe der kapitalistischen Akkumulation zu den weiter oben benannten Kapital-Verwertungsproblemen führt. Die Methoden des kapitalistischen Imperialismus zur Eroberung dieser neuen Einflusssphären sind vielfältig. Sie erreichen von Methoden der ökonomischen Strangulation, über politische und währungspolitische Methoden, sie können jederzeit aber auch eine militärische Qualität annehmen. Genau dann und insofern sich diese als vorteilhafter erweist, die in den höher entwickelten kapitalistischen Ländern gegebenen Kapital-Verwertungsprobleme zu lösen.
Kriege und Imperialismus hat es auch schon in vorkapitalistischen Gesellschaften gegeben. Doch das besondere des modernen Kapitalismus, des Kapitalismus in seinem monopolkapitalistischen imperialistischem Stadium besteht eben darin, dass die Monopole und das Finanzkapital regelrecht gezwungen sind, eine solche imperialistische Politik durchzusetzen, wollen sie ökonomisch nicht kollabieren.
Dies wiederum führt dazu, dass sich die Widersprüche auch zwischen den großen imperialistischen Mächten verschärfen. Wie immer gibt es in solchen Kämpfen dann natürlich auch Koalitionen, Zweckbündnisse. Etwa um Russland zu bekämpfen, oder sagen wir es genau: in möglichst kleine Teile aufzusplittern. Aber aufgehoben sind diese Widersprüche, die es zum Beispiel auch zwischen Deutschland und den USA oder Großbritannien gibt, damit keineswegs.
Zusammenfassend lässt sich also sagen:
Kapitalismus führt zum Imperialismus, allerdings erst auf einer hohen Entwicklungsstufe. Also Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.
Diese sind wiederum eng mit dem Finanzkapital verschmolzen, die im Kapitalexport eine ihrer Hauptmethoden erkennen, gegebene Verwertungsprobleme zu lösen.
Eng verwoben mit staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen, führen die verschiedenen Kapitalfraktionen einen ständigen Kampf um die Neuaufteilung wirtschaftlicher und geostrategischer Einflusszonen. Letztendlich einen wiederkehrenden Kampf um die Aufteilung dieser Erde. Diese Widersprüche werden sich immer weiter zuspitzen, da ja die Kapitalakkumulation immer weiter steigt.
Die Kriegsgefahr steigt damit von Jahr zu Jahr weiter an.
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Dieser Artikel wurde den DKP-News zur Veröffentlichung überlassen:
DKP News
Hier lesen Sie die 2. Folge dieser Artikelreihe:
Folge 2: Warum entstehen Kriege?
