Arbeitsniederlegungen im Einzelhandel in Hamburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Ver.di-Vize Mönig-Raane kündigt flexible Streikstrategie an
Nach mehreren Warnstreiks in den vergangenen Wochen haben am Montag die ersten unbefristeten Arbeitskampfaktionen im Hamburger Einzelhandel begonnen. Rund 400 Beschäftigte der Lagerwirtschaft des Versandhändlers Otto, und damit rund 50 Prozent der dort Beschäftigten, folgten dem Aufruf der Gewerkschaft ver.di und legten am frühen Morgen die Arbeit nieder.
90,76 Prozent der im Hamburger Einzelhandel gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten hatten sich zuvor in einer Urabstimmung für mehrtägige Arbeitskampfaktionen ausgesprochen. Zuvor hatte sich der Arbeitgeberverband geweigert über die Gewerkschaftsforderung nach Erhöhung der Löhne um fünf Prozent, mindestens aber um 100 Euro im Monat, auch nur zu verhandeln. Grund genug für ver.di-Verhandlungsführer Ulrich Meinecke nun vom Beginn eines »harten Arbeitskampfes« zu sprechen. Er kündigte an, daß den Otto-Beschäftigten in den nächsten Tagen auch Mitarbeiter weiterer Betriebe, Warenhäuser und Läden in den Ausstand folgen werden.
Die Gewerkschaft ver.di will in den festgefahrenen Verhandlungsrunden für die insgesamt 2,6 Millionen Beschäftigten je nach Bundesland Lohnerhöhungen zwischen 4,5 und 6,2 Prozent durchsetzen. Zudem will die Gewerkschaft gegen den Willen der »Arbeitgeber« die derzeit gültigen Zuschläge für Abend- und Wochenendarbeit behalten.
Streikaktionen im Einzelhandel gab es am Montag auch im sachsen-anhaltinischen Haldensleben, wo ebenfalls rund 2000 Menschen für den Otto-Versands arbeiten. Auch in den Filialen der Handelskette Real in Nordrhein-Westfalens wurde die Arbeit niedergelegt. Dort kündigten die gewerkschaftlichen Verhandlungsführer ebenfalls eine Ausweitung der Aktionen in den nächsten Tagen an. Bereits am Wochenende waren mehrere hundert Beschäftigte in den Schlecker-Filialen in Dortmund, Duisburg, Kamen, Marl, Recklinghausen und Hamm im Ausstand.
Die stellvertretende ver.di-Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane kritisierte, daß die Unternehmer des Einzelhandels bundesweit bei den Verhandlungen nicht in die Pötte kämen. Sie kündigte eine »flexible Streikstrategie« an. Schwerpunkte seien zunächst die Länder Nordrhein-Westfalen und Hamburg, aber auch Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz, so Mönig-Raane am Montag.
Verwendung: Junge Welt vom 31. Juli 2007
Permalink zu diesem Artikel, Kommentare lesen oder schreiben: hier
Eintrag versenden: hier
