Enthusiasmus für ein Zusammengehen mit der Linkspartei.PDS läßt nach Ansicht von Beobachtern nach
Ginge es nach dem Willen der Führungselite der Linkspartei.PDS, wäre die Bildung der »Neuen Linken« am besten schon morgen abgeschlossen. Der Anschluß der WASG sei dafür der einzige Weg, so lautete denn auch die Kernaussage eines Rechtsgutachtens, das Linkspartei-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch schon vor Wochen in Auftrag gab. Doch das stößt bei immer mehr Mitgliedern des kleineren Partners übel auf wohl deswegen war ein Kolloquium, das am Sonntag zu diesem Thema in Köln stattfand, besonders gut besucht.
Basis bockt
An der WASG-Basis zeigt sich Widerstand etwa in Bremen, wo etliche Mitglieder des Landesverbandes auf die Bildung einer überparteilichen Wählergemeinschaft für die Bürgerschaftswahlen am 13. Mai 2007 drängen. Doch die Bundesvorstände von Linkspartei und WASG bestehen auf einer Kandidatur auf der Landesliste der Linkspartei. Das aber lehnen viele Bremer WASGler ab, die der Linkspartei angesichts ihres Kurses in Berlin einen Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde in Westdeutschland nicht mehr zutrauen.
Wie der Länderratsdelegierte Heino Berg am Freitag gegenüber junge Welt erklärte, habe die Bremer WASG-Basis eigentlich schon am Sonntag die Bildung einer eigenen Wählergemeinschaft beschließen wollen. Nach einer Intervention des WASG-Bundesvorstandes sei die Mitgliederversammlung jedoch auf den 29. Oktober verschoben worden. Dennoch wollen sich nun Basisaktivisten am Sonntag treffen, um eine Kandidatur vorzubereiten.
Weniger Mitglieder
Die Basisstrukturen der WASG sind inzwischen fast überall (außer im Saarland) deutlich schwächer geworden. Die Zahl der Mitglieder, vor allem aber der Aktiven, geht nach jW-Informationen zurück. Die bevorstehende Fusion mit der Linkspartei läßt die Attraktivität deutlich sinken: Selbst in einem Stadtstaat wie Hamburg war die Beschlußfähigkeit der letzten Mitgliederversammlung nur noch mühsam herzustellen und das, obwohl dort Oskar Lafontaine sprach. Auch das Haushaltsloch im Finanzplan des Bundesvorstandes spricht Bände. Dieser mußte seine Einnahmeplanung nach jW-Recherchen um fast ein Viertel nach unten korrigieren, weil viele Mitglieder keine Beiträge zahlen.
Zunehmende Distanz
Entfremdung von der Linkspartei.PDS bewirkten zudem ihre Regierungsbeteiligung in Berlin sowie ihr katastrophales Ergebnis bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus. Hinzu kommt, daß der rechte Linkspartei-Flügel die »Reformer« seinen Führungsanspruch angemeldet hat. In einem Positionspapier wurden Themen wie »Haushaltskonsolidierung«, »Erneuerung der Sozialsysteme durch eine Stärkung der Zivilgesellschaft« und die »Begrenzung öffentlichen Eigentums auf unverzichtbare Staatsaufgaben« zu Kernproblemen linker Politik verklärt.
Dagegen hat das Netzwerk Linke Opposition, das sich Anfang Oktober in Felsberg als WASG-Strömung konstituierte, »fünf rote Linien« gezogen. Zu den Bedingungen für die weitere Zusammenarbeit mit der Linkspartei.PDS zählt es u. a. die »Trennung von Amt und Mandat«, den »Verzicht auf Privatisierungen« und »die Nichtbeteiligung an Regierungen, die selbst am Sozialabbau beteiligt sind«. Könne dies nicht durchgesetzt werden, müsse eine neue Urabstimmung her, forderten die rund 100 Teilnehmer der Tagung. Per Briefwahl müßten die WASG-Mitglieder dann entscheiden, ob die Fusion weiter angestrebt wird.
Es sei unwahrscheinlich, daß die Linkspartei.PDS diese »fünf roten Linien« respektiert, sagte die Vorstandsfrau der nordrhein-westfälischen WASG, Edith Bartelmus-Scholich, gegenüber junge Welt. Sollte sie mit ihrer Befürchtung recht haben, dann hat sich das Netzwerk mit seinen Forderungen allerdings schon von der Fusion verabschiedet.
Nach dem Eindruck von Beobachtern nimmt jedenfalls im Hauptquartier der Linkspartei.PDS in Berlin, im Karl-Liebknecht-Haus, kaum noch jemand die WASG richtig ernst. So mancher Funktionär betrachtet die Partei offenbar eher als eine Art Polit-Steinbruch, aus dem sich möglicherweise ein paar tausend neue Mitglieder herausbrechen lassen.
http://www.jungewelt.de/2006/10-13/040.php

Gegenüber der Radaktion „Junge Welt“ habe ich am 13.10.2006 per E-Mail wie folgt Stellung genommen:
Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion Junge Welt,
in Ihrer Ausgabe der Junge Welt vom 13.10.2006 schreibt Andreas Grünwald unter der Überschrift:
Ist WASG-Basis fusionsmüde? – Enthusiasmus für ein Zusammengehen mit der Linkspartei.PDS läßt nach Ansicht von Beobachtern nach
unter anderem:
Ginge es nach dem Willen der Führungselite der Linkspartei.PDS, wäre die Bildung der »Neuen Linken« am besten schon morgen abgeschlossen. Der Anschluß der WASG sei dafür der einzige Weg, so lautete denn auch die Kernaussage eines Rechtsgutachtens, das Linkspartei-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch schon vor Wochen in Auftrag gab. Doch das stößt bei immer mehr Mitgliedern des kleineren Partners übel auf wohl deswegen war ein Kolloquium, das am Sonntag zu diesem Thema in Köln stattfand, besonders gut besucht.
Soweit Herr Grünwald in seinem Beitrag das am Sonntag (08.10.06) in Köln stattgefundene Kolloquium anspricht, vermittelt er leider einen völlig falschen Eindruck. Richtig ist, dass das Fach-Kolloquium, das zum Thema Juristische Alternativen der Parteien-Fusion von WASG und Linkspartei.PDS stattfand, gut besucht war. Als Initiator, Miteinlader und Organisator des Kolloquiums möchte ich jedoch richtig stellen, dass Zielsetzung, Charakter wie Ergebnis dieser Tagung nicht Beleg für eine Fusionsmüdigkeit der WASG sind. Im Gegenteil: das Kolloquium diente der Unterstützung des Fusionsprozesses zwischen WASG und Linkspartei.PDS durch juristisch-fachliche Beiträge und dem Austausch zwischen Juristen (u.a. Prof. Dr. Andreas Fisahn, Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht an der Universität Bielefeld) und der Mitgliedschaft der WASG. Erfreulich war, dass insbesondere fünf Mitglieder des Bundesvorstandes sowie Mitglieder aus mehreren Landesverbänden der WASG, von Mecklenburg-Vorpommern bis zum Saarland, erschienen waren und mitdiskutierten. Das Kolloquium in Köln ist damit Beleg dafür, dass der Fusionsprozess nunmehr in die konkrete (auch juristische) Umsetzungsphase eingetreten ist und dass in der WASG ein großes Interesse daran besteht, dass dieser anspruchsvolle Prozess im gemeinsamen politischen Interesse erfolgreich – d.h. auch rechtssicher und effektiv – abgeschlossen wird.
Ich erlaube mir daher, Ihnen im Anhang zu diesem Schreiben die Dokumentation des Kolloquiums und die vom Kolloquium formulierten Empfehlungen, die sich primär an den Bundesvorstand und die Mitglieder der Steuerungsgruppe von WASG und Linkspartei.PDS richten, zu übersenden.
Dieser Dokumentation und den Empfehlungen des Kolloquiums können Sie entnehmen, dass die Darstellung des Gutachtens von Prof. Dr. Morlok in der Öffentlichkeit dringend der Korrektur bedarf. Dieses Gutachten ist eine juristisch qualifizierte und politisch nutzbare Grundlage für die Fusionsgespräche, auch wenn es in einzelnen Punkten der ergänzenden juristischen Klärung bedarf. Die auf dem Kolloquium anwesenden Juristen der WASG teilen insbesondere ohne Abstriche die Auffassung von Prof. Dr. Morlok, dass rechtlich der Weg nach dem Umwandlungsrecht (UmwG) zu gehen ist und dass hierzu beide Parteien zuvor die Rechtsfähigkeit als eingetragene Vereine (e.V.) erlangen sollten. Die dem Gutachter von manchen (auch Medien) unterstellte Einseitigkeit zu Lasten der WASG wird vom Kolloquium eindeutig nicht geteilt.
Es besteht allerdings offensichtlich ein Interesse daran, die Aussagen von Prof. Dr. Morlok nur verkürzt und damit verfälschend darzustellen, um den Fusionsprozess politisch zu behindern. Dieses Ansinnen möchte ich Ihrer Redaktion keinesfalls unterstellen. Möglicherweise ist Ihr Autor Andreas Grünwald aber derartigen Falschdarstellungen von interessierter Seite aufgesessen. Auch hat Herr Grünwald sich über das Kolloquium nicht ausreichend informiert; jedenfalls hat er mit dem Unterzeichner als dem Initiator und Organisator der Tagung bislang keinen Kontakt aufgenommen.
Im Interesse eines qualifizierten und insbesondere seriösen linken Journalismus möchte ich Sie bitten, Ihre Leserschaft über den Charakter und die Ergebnisse des Fach-Kolloquiums ergänzend zu unterrichten und den von Ihrem Autor vermittelten Eindruck zu dieser Tagung richtig zu stellen.
Ich bedanke mich.
Sollten Rückfragen bestehen, so bitte ich um Ihre Nachricht.
Mit freundlichen
Hans Decruppe
(Rechtsanwalt)
Rechtsanwälte Decruppe & Kollegen – Kanzlei für Arbeitsrecht
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