Hamburg: Härtefallquote für Studienplätze radikal gesenkt. AStA unterstützt Klagen von Einzelbewerbern
Der Allgemeine Studierendenausschuß (AStA) der Universität Hamburg warnt vor einer »Zulassungskatastrophe« an den Hochschulen der Hansestadt. Seit Beginn des Wintersemesters gelten in Hamburg geänderte Bestimmungen, die es Bewerbern mit Familie und Alleinerziehenden schwermachen, einen Studienplatz zu bekommen. Auf Vorschlag des CDU-Senats hatte die Bürgerschaft ein Zulassungsgesetz beschlossen, mit dem die Härtefallquote von 20 auf fünf Prozent reduziert wurde. Da unter diesen Fällen kranke Bewerber bevorzugt werden, hätten andere Härtefälle, so der AStA, kaum noch Chancen.
Das ist für Heino Windt, Koordinator der Sozialberatung im AStA der Uni Hamburg, aber nicht das einzige Problem zu Beginn dieses Semesters. Am 16. September hatte die Uni Zu- und Absagen an die Studienbewerber verschickt. Die Sozialberatung im AStA wird seitdem regelrecht überrannt, denn neben den Änderungen bei der Härtefallquote hat sich auch die Quote für Studienbewerber mit Wartezeit geändert. Diese wurde von 40 auf zehn Prozent reduziert. Das führt dazu, daß viele Bewerber nun eine Wartezeit von mehr als fünf Jahren in Kauf nehmen müssen, rechnete Windt vor. Da ein angepaßtes Auswahlverfahren noch nicht erlassen wurde, sei der Notendurchschnitt das einzige Kriterium für die Zulassung der Bewerber. Bisher wurden Härtefälle auch unabhängig vom Numerus clausus und der Wartezeit zugelassen, wenn es gesundheitliche, familiäre, soziale und wirtschaftliche Gründe für den Studienort gab.
Der AStA will die Änderungen, die für alle Hamburger Hochschulen gelten, nicht akzeptieren und unterstützt Klagen abgelehnter Einzelbewerber vor Gericht. Rückhalt haben die Studierenden auch bei der Grünen-Bürgerschaftsabgeordneten Heike Opitz. Sie bereitet zunächst eine kleine Anfrage vor, in der sie vom Senat wissen will, ob die Befürchtungen des AStA zutreffen.
http://www.jungewelt.de/2005/10-08/019.php
